Herbst-Blues? Diese Morgenroutine in 7 Schritten holt dich aus dem Knick! Und dauert keine Stunde…

Wir vergessen es gerne mal, aber wir Menschen sind zyklische Wesen. Wir sind eingebunden in den Rhythmus von Tag & Nacht, der Monate (Es heißt nicht umsonst MENStruation…) und der Jahreszeiten. Wenn ich also an diesem Novembermorgen aus dem Fenster schaue, mich aber am liebsten sofort wieder unter mehreren Schichten Wolldecke in meinem Bett verkriechen würde, dann liegt das sicherlich nicht nur an mir oder meiner mangelnden Motivation (shame on me!?). Als hätte jemand die Sättigung in Photoshop heruntergeschraubt, sehe ich da draußen weniger grün, weniger gelb (denn auch das Laub hat die BSR schon weggepustet, danke) und dafür viel mehr grau.

Versteht mich nicht falsch, ich liebe grau: meine Wohnung, mein Bad, meine Katze, meine Küche. Grau, grau, grau ist alles, was ich mag. Der Blick aus dem Fenster offenbart jedoch nicht nur die Veränderung im Farbspektrum. Um bei der Photoshop Analogie zu bleiben: die Natur hat auch an der Helligkeit gespielt und wir Menschen (auch meine Katze!) spüren das oft ganz deutlich. Gerade, wenn wir nicht mit Scheuklappen durchs Leben preschen, sondern vielleicht eher der sensibleren, introspektiven Fraktion zuzuordnen sind, fühlen wir uns jetzt vielleicht eher von der Couch als von den Laufschuhen angezogen.

Aber darf ich dir etwas verraten? That’s OK. Der Herbst lädt uns zum Entschleunigen ein. Er ist traditionell eine Zeit der Ernte, der Bestandsaufnahme. Wir bereiten uns auf die nächste Jahreszeit vor, den Winter. Meine Katze verlangt zur Zeit (noch) mehr Futter und legt flauschigeres Fell an. Ich selbst fühle mich von saisonalem Wurzelgemüse und Kohlsorten gerade magisch angezogen. Die Reise geht gerade ganz klar Richtung yin…

Das heißt aber nicht, dass du dich wie ein Set Winterreifen „von O bis O“ verkriechen sollst oder musst. Ich teile hier meine Lieblingsroutinen mit dir, um auch dann mit einem balancierten Energielevel in den Tag zu starten, wenn es mal schwerfällt. Und stress dich bitte nicht, wenn es nicht klappt oder du nicht alle Tipps umsetzen kannst. Für den Anfang reicht auch, wenn du dir etwas herauspickst, auf das du neugierig bist oder schon immer mal Lust hattest. Ganz ehrlich? Es gibt genug Tage, da vergesse ich selbst, dass es diese Tools gibt. Diese Liste ist also auch ein Reminder für mich selbst, wie praktisch oder?

  1. Yin im Bett
    Ein Game Changer für mich, den ich von meiner Lehrerin Sarah Powers mitgenommen habe. Dein Wecker klingelt und am liebsten würdest du die Snooze Taste drücken? Begib dich stattdessen für 6 Minuten in eine Pose aus dem Yin Yoga, die Nieren- Und Blasenmeridian stimuliert. Schmetterling, liegend oder als Vorbeuge; Haltung des Kindes mit weit geöffneten Knien, gerne auch als Twist, 3 Minuten pro Seite). Danach fühle ich mich immer wach genug, um mich aufzurichten und zu Schritt 2 überzugehen.
  2. Pranayama
    Die nächsten 6 Minuten im warmen Bett kannst du dein ganzes System ins Gleichgewicht bringen, indem du Nadi Shodana, die Wechselatmung, übst. Bring dafür die rechte Hand ins Vishnu Mudra. Verschließe mit dem Daumen sanft das rechte Nasenloch (dort, wo der knöcherne in den weichen Teil des Nasenflügels übergeht) und atme langsam links ein. Schließ links (mit dem Ringfinger) und halte die Fülle kurz, ohne Anstrengung, ganz bequem. Öffne den rechten Nasenkanal und atme dort langsam und gleichmäßig aus. Dort, wo du ausgeatmet hast, atmest du wieder ein. Nach der Einatmung verschließt du beide Seiten, nimmst die Fülle wahr und atmest auf der anderen Seite aus.
    Manchmal fühlt sich eine Seite dichter an, oder sogar verstopft. Hier kann es helfen, den Verschluss nur anzudeuten oder die Wechselatmung ganz ohne Mudra zu üben. Dann visualisierst du den wechselseitigen Strom von Prana durch den rechten und linken Energiekanal: Pingala und Ida Nadi.
  3. Meditation
    Ich möchte dich an dieser Stelle dazu ermutigen, zwei Dinge zu tun. Es hilft ungemein, mehrere Meditationstechniken in deiner Toolbox zu haben. Warum? Nicht jeder Tag ist gleich und nicht jede Meditation passt – je nach deinem Energielevel (deshalb haben wir in Punkt 2 ein Pranayama geübt). Aber überhaupt meditiert zu haben, auch wenn du mal so gar keine Lust hast, ist besser, als diese wertvolle Praxis ganz ausfallen zu lassen! Keine Lust? Super, schau dir an, wie sich „Keine Lust haben“ anfühlt oder sich verändert… Wenn du (noch) nicht regelmäßig meditierst, empfehle ich dir mit dem Gewahrsein deines natürlichen Atems zu beginnen. Das ist leichter gesagt als getan! Nimm wahr, wo du deinen Atem am deutlichsten wahrnehmen kannst, ohne ihn dafür verändern oder vertiefen zu müssen. Bleib dann dort mit deiner Aufmerksamkeit. Du hast nur eine Aufgabe: zu wissen, ob du den Fluss des Atems beobachtest oder dein Geist gewandert ist. Ist er? Gut, dass du es gemerkt hast, zurück zu deinem Anker, dem Atem.
  4. Yoga
    Keine Sorge, hier geht es nicht um 90 Minuten schweißtreibendes Power Yoga (es sei denn, dein Körper sagt dir ganz deutlich, dass er da jetzt braucht, go ahead!). Um es schlicht und praktikabel zu halten, nimm dir die nächsten 6-12 Minuten, um den Körper einmal durchzubewegen und tief zu atmen. Einige Runden Katze/Kuh, Sufi Kreise, Seitneigungen und dynamische Twists im Sitzen – jede Bewegung ummantelt von deinem natürlichen Atem. Oft entwickelt sich aus diesen schlichten Bewegungen im Sitzen die Lust, in den abwärts schauenden Hund zu gehen. Vielleicht willst du Sonnengrüße üben, auch der Baum eignet sich hervorragend zur Zentrierung am Morgen.
    Und vergiss nicht, auch ein achtsamer Spaziergang oder ein improvisierter Tanz zu deinem Lieblingssong fallen in diese Kategorie. Mach dich bitte niemals fertig, weil du glaubst, einem Idealbild entsprechen zu müssen! You do you, and you do it pretty damn well!
  5. Ab ins Bad
    Hier kommt ein wunderbarer Tipp von meiner Lehrerin und Freundin Sandra Winkens, den ich aus einem ihrer Workshops mitgenommen habe: Trockenbürstenmassagen. Dafür bürstest du entlang der Beine und Arme in langen Bewegungen auf der nackten Haut und zum Herzen hin.
    Du machst Kreise an den Gelenken und eine liegende Acht um die Brüste herum. Am liebsten streiche ich zuletzt entlang der Körperseite zu den Achseln hin. Das ganze fördert deine Durchblutung, löst wie ein Peeling abgestorbene Hautschüppchen und unterstützt den Fluss der Lymphflüssigkeit. Damit tust du etwas Gutes für dein Immunsystem, denn im Gegensatz zum Blut, hat die Lymphflüssigkeit keine eigene Pumpe und freut sich über diese Massage! Wenn du anschließend duscht, trau dich und brause dich am Ende kalt ab. Sebastian Kneipp wäre stolz auf dich – ich bin es auf jeden Fall!
  6. Heißgetränk
    Gönn dir einen Tee, Kaffee oder Matcha. Kurkuma oder BeetRoot Latte… Gerade jetzt im Herbst solltest du dich von innen wärmen und es dir mit einem wärmenden Getränk gemütlich machen. Vielleicht beobachtest du den Sonnenaufgang mit deiner Tasse in der Hand?
  7. Digital Detox
    Für eine weitere Stunde, versuch dein Handy auf Flugmodus zu lassen. Ich gebe es zu: damit wird aus der versprochenen Stunde doppelt so viel. Wie du diese Stunde nutzt, in der du noch für dich bist? Schreib Tagebuch oder lies ein Buch, beobachte, wie die Stadt aufwacht und die Straßen unter deinem Fenster langsam belebter werden, mit dir zusammen in den Tag starten.
    Angenommen, du stehst um 7 auf, sei ehrlich: gibt es irgendetwas, das so dringend sein könnte, dass es nicht bis 9 Uhr warten kann? Sollen die ersten Gedanken und Eindrücke des Tages deine eigenen sein oder die Ideen anderer, in Form von Tweets, Posts und News?